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Mein Wohnmobil

Neu: der kaputte Turbolader

Update: der Bettenbau

In Kanada hat die Wohnmobil-Begeisterung angefangen, lang hat es dann gedauert, aber jetzt ist es fertig: mein Wohnmobil.



Grundriss

So sah der erste Grundriß aus, auf Basis der ersten T5-Maße mit Bleistift auf Papier gekritzelt; bei diesem Grundriß ist es dann bis auf die notwendigen Änderungen, bedingt durch die tatsächlichen T5-Maße, auch geblieben.
Was zum Beispiel beim besten Willen nicht unterzubringen war, war der Schrank hinter dem Fahrersitz; und auch der Kühlschrank hatte unter dem Bett keinen Platz und mußte in den Küchenblock.


Daten

Basisfahrzeug:
VW T5 mit 77 kW (105 PS) Dieselmotor, 5-Gang Schaltgetriebe, langer Radstand (3.400 mm), Serienhochdach
Verbrauch: knapp 8 Liter Diesel / 100 km

Ausbau:
Ramspeck Fahrzeugausbau

Maße und Gewichte:
Länge 5,29 m, Breite 1,90 m, Höhe 2,56 m, zulässiges Gesamtgewicht 3.200 kg
Aufbau:
Originalkarosserie, Isolierung 20 mm X-Trem-Isolator, 5 Ausstell- bzw. Schiebefenster, 2 Dachfenster
Wohnraum:
Fahrersitz und Beifahrerdoppelsitzbank mit Dreipunktgurt, 2 Sitzplätze mit Beckengurt quer zur Fahrtrichtung, Heckbett 160×180/190 cm, Hängeschränke über Bett und Küchenblock
Küche:
Kombispüle mit 2-Flamm-Gaskocher, Kompressorkühlschrank 50l, Schublade gegenüber
Bad:
integrierte Dusche, Waschbecken, Thetford-Cassettentoilette
Bordtechnik:
Truma-Gasheizung und Boiler, Gelbatterie, 230 V und 12 V- Anlage, Solarpanel 55 Wp
Füllmengen:
Frischwasser 100 l, Abwasser 60 l, Boiler 10 l, Fäkalien 17 l, Gasvorrat 2 × 5 kg

Fotos

Aussenansicht

Wohnmobil-Seitenansicht Wohnmobil-Dach


Wohnraum

Wohnraum Wohnraum Bett


Küche und Bad

Küche Küche Bad


Stauraum

Stauraum



Die Geschichte (Vorsicht, lang!)

Vielleicht interessieren ja jemanden die Hintergründe. Also:
Wie kommt man auf die verrückte Idee, sich ein Wohnmobil bauen zu lassen?

In Kanada fing es an, im Jahre 2002. Dort waren wir im Herbst 6 Wochen lang mit einem Roadtrek Wohnmobil unterwegs. Auch als totale Camping-Anfänger haben wir damals die Unabhängigkeit, die man bei dieser Art zu Reisen hat, sehr zu schätzen gelernt und so langsam kam der Gedanke auf, daß so etwas doch zu Hause auch sehr, sehr praktisch wäre. Zumal, das sei hier auch mal verraten, ein Wohnmobil zu Kinderzeiten schon ein Traum für mich war.
Unser Roadtrek war – für amerikanische Verhältnisse – ziemlich klein, für uns aber genau richtig. Bis auf das quasi nicht existente Bad, das mir in den sechs Wochen doch ziemlich auf die Nerven ging. Ein paar der Erfahrungen, die wir mit dem Roadtrek gesammelt haben, sind dann auch in meinem Wohnmobil wieder eingeflossen.

Wieder zurück in Deutschland, ging die Suche los. Ein Kastenwagen sollte es auf jeden Fall sein, der auch für den Alltagsgebrauch tauglich ist (ich habe weder die Lust noch das Geld, doppelt Steuer und Versicherung zu zahlen; und auch aus Umweltschutzgründen finde ich, ein Auto pro Person ist ja wohl mehr als genug).
Küche, Toilette und Dusche müssen selbstverständlich an Bord sein – wenn ich schon ein Wohnmobil habe, soll das ja auch möglichst autark sein.
Dann brauche ich noch Stauraum für zwei Gleitschirme und ein Bett, das mindestens 1,40 Meter breit ist und das man nicht jeden Abend komplett zusammenpuzzeln und neu beziehen muß, bevor man sich hinlegen kann.
Und als Basisfahrzeug wäre ein VW doch nett, nachdem ich bisher mit VW recht gute Erfahrungen gemacht und die passende Werkstatt am Ort habe – und nachdem der T5 auch der einzige Biodiesel-taugliche Kastenwagen ist.

Mit diesen Kriterien im Hinterkopf habe ich mich bei den Standardausbauten auf die Suche gemacht, aber so richtig überzeugen konnte mich nichts. Die besten Grundrisse waren noch die mit Festbett im Heck und Stauraum darunter, aber alle Grundrisse dieser Sorte gab es nur auf Autos, die mindestens 5,60 Meter lang waren. Auf dem VW LT gab’s ein paar vereinzelte (aber Heckantrieb? Ob das im Winter Spaß macht?), auf dem T5 gar nichts; und auf die so ganz prinzipielle Idee, in einem T5 eine Dusche einbauen zu lassen, erntete ich bei diversen Verkäufern nur schallendes Gelächter. Es gibt inzwischen einen Ausbauer, der in den T5 eine Dusche einbaut; aber der verwendet nicht das Serienhochdach, sondern setzt selber ein extra hohes Dach drauf, in dem dann auch das Bett untergebracht ist – womit das Auto nochmal 30 cm höher wird, das Bett aber nur 1,20 m breit ist. Auch nicht so das Wahre, zumindest für meine Zwecke.

Na gut, wenn die nicht wollen – also habe ich angefangen, selber einen Grundriß auszutüfteln. Viele Seiten Papier und ungefähr ein halbes Jahr später hatte ich auf meinem Zeichenpapier einen Grundriß, der so ziemlich alle meine Kriterien erfüllte. Eine Zeitlang habe ich noch versucht, etwas zu verbessern, aber irgendwann habe ich festgestellt, daß ich immer wieder beim gleichen Grundriß lande. Besser ging’s anscheinend nicht mehr.

Dann begann das nächste Abenteuer: jemanden zu finden, der mir meinen Camper auch baut.

Wie fängt man diese Suche an? Man nimmt sich alle Zeitschriften, die man so findet und schreibt Ausbauer an. Der Grundriß war ja fertig, also habe ich den auch mitgeschickt.
Die Zeitschrift ‘Reisemobil International’ hatte zufällig zu diesem Zeitpunkt nach ‘Traummobilen’ gefragt, die kamen dann auch gleich in den Genuß, eine Mail von mir zu bekommen – und haben zu meinem Erstaunen und meiner Freude tatsächlich meinen Grundriß in der Ausgabe 3/2004 mit einigen anderen zusammen vorgestellt.

Die Suche nach einem Ausbauer gestaltete sich dann recht interessant. Sooo schlecht kann es der Branche nicht gehen. Von den Ausbauern, die ich angemailt habe, haben ca. 80% gar nicht erst geantwortet. Der Rest hat – immerhin – Prospekte geschickt, die ihre Standardausbauten vorgestellt haben. Teilweise sogar mit dem Hinweis, daß sie durchaus auf Kundenwünsche eingehen und ihre Standardgrundrisse entsprechend anpassen (wie sie das bei einem komplett anderen Grundriss machen wollen, haben sie mir aber nicht verraten).
Als ich dann schon ziemlich frustriert war und kurz davor, mich doch auf irgendeinen Standard-Ducato-Ausbau mit x Kompromissen einzulassen, kam mein Kollege Philipp mit einer Motocross-Zeitschrift daher und meinte, ich solle mir doch mal die Anzeige der Firma Ramspeck ansehen, die hätte ihm recht gut gefallen.
Und das war es dann. Ein Glücksgriff. Meinem ersten schüchternen Anruf bei Herrn Ramspeck (‘würden Sie es eventuell für möglich halten …?’) folgten noch etliche Mails und viele Stunden mit ihm am Telefon, bis wir alle Probleme gelöst hatten. Eine bessere Zusammenarbeit kann man sich nicht wünschen.

Tja, den Ausbauer hatte ich nun, das Auto noch nicht. Also ging es weiter mit T5-Suche. Dabei durfte ich dann die nächsten erstaunlichen Erfahrungen machen. Auch der Automobilbranche kann es nicht allzu schlecht gehen. Ein Händler ließ mich erstmal eine Viertelstunde stehen und hat mir dann immerhin eine Preisliste in die Hand gedrückt mit dem Hinweis ’8 Prozent gibt’s bei uns, das können Sie sich ja dann selber ausrechnen’. Soso.
Bei einem weiteren Händler bemühten sich die beiden Herren nicht einmal, von ihrem Mittagessen aufzustehen. Nachdem ich hartnäckig vor ihnen stehen blieb, ließen sie sich immerhin dazu herab, meine Telefonnummer aufzuschreiben. Sie würden sich dann bei mir melden, wenn sie mal die Preise für den T5 mit Hochdach (der wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht gebaut) hätten. Es wird nach dieser Vorgeschichte niemanden in Erstaunen versetzen, daß ich von diesem Händler nie wieder etwas gehört habe.
Ein Reimport war die nächste Überlegung; es war allerdings schwierig, einen T5 mit Hochdach und der Ausstattung, die ich brauchte (oder besser gesagt, nicht brauchte), zu finden.
Die Wahl fiel dann auf den einzigen VW-Händler, der mich tatsächlich wie eine Kundin behandelt hatte, die Firma Eichbichler in Landshut. Und dann begann das Warten. Bestellt hatte ich das Auto im Mai 2004; holen konnte ich es nach einigen Verschiebungen dann im November.

Ein Abenteuer für sich war die Abholung in Hannover. Nicht nur zur Kostenersparnis, sondern schon allein des Erlebniswerts wegen kann ich jedem nur empfehlen, sein Auto selber abzuholen. Eine große Hilfe waren die diversen T5-Foren (T5 Forum, T5 Board). Dank dieser Foren habe ich mir die Lackierung des Autos millimeterweise angeschaut und auch tatsächlich noch Lackschäden gefunden, die dann später von VW ausgebessert wurden.
Auch sehr hilfreich zum Thema T5: Jewuwa’s T5-Seiten.

Es erfordert ja schon ein gewisses Vertrauen, ein doch recht teures Auto jemandem hinzustellen, den man bis dato nicht kennt, und zu sagen ‘nun machen Sie mal’. Aber die Firma Ramspeck hat mich nicht enttäuscht. Der Ausbau dauerte ca. 8 Wochen; die Vorstellungen, die ich hatte, hat Herr Ramspeck, wo es irgendwie möglich war, verwirklicht; wo es nicht möglich oder unsinnig war, hat er sie mir ausgeredet :-) Ganz zu schweigen von allen technischen Problemen, die er gelöst hat, ohne daß ich sie überhaupt gesehen hätte.
Und auch bei allen anderen Problemen von Abholung bis Zulassung konnte ich mich immer auf seinen fachmännischen Rat verlassen. Kompetent und zuverlässig, so stellt man sich das vor (und findet es leider nur allzu selten). Fazit: uneingeschränkt zu empfehlen!

Zum Schluß will ich nun doch noch verraten, was mich mein Wohnmobil gekostet hat: insgesamt ca. 47.000 Euro. Das ist ganz schön viel; am Anfang der Planung hatte ich naiv, ahnungslos und illusorisch glatt mit 10.000 weniger gerechnet. Wobei sich der Preis stark relativiert, wenn man sich mal andere Ausbauten auf dem T5 ansieht, die kosten alle so in etwa gleich viel.
Den Satz ‘sooo viel Geld, da könntest Du doch soundsooft ins Hotel gehen’ kann ich allerdings zugegebenermaßen nicht mehr hören. Manchmal ist es nicht ganz einfach, von 90% seiner Bekannten für verrückt erklärt zu werden.

Jetzt beginnt die Tüftelei, was man im WoMo am besten wohin packt (darüber wurden ja schon Bücher geschrieben ;-) Dann gibt’s ein paar Schnuppertouren und im Juni ist die erste größere Tour nach Frankreich geplant. Ich bin ja schon sehr gespannt, wie wir mit den europäischen Campinggewohnheiten zurechtkommen, ein bißchen anders als in Amerika wird’s schon sein hier im kleinen Europa.

Das bisherige wurde geschrieben im April 2005 – inzwischen haben wir März 2012 und schon viele Wohnmobil-Touren hinter uns. Design und Ausbau haben sich bestens bewährt und wir werden auf den Campingplätzen regelmäßig bestaunt und beneidet.


Letzte Aktualisierung am 19.03.2012