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Gluck, gluck

oder: “Sundheimer brüten nicht”

Mir ist ja soooo langweilig. So furchtbar schrecklich langweilig. Seit Wochen schon laufe ich hier ständig alleine rum, nur weil die blöden Tucken … aber ihr wisst ja gar nicht, wovon ich rede. Also, ich bin die Svenja, und wir sind hier vor zwei Monaten eingezogen. Wie das alles so losging, habt ihr ja sicher schon in der Geschichte vorher gelesen. Inzwischen ist schon ganz schön was passiert. Nachdem ich grad eh nichts Besseres zu tun habe, kann ich ja mal erzählen:

Das mit dem Essen hatten wir ganz schnell gut hingekriegt, und es schmeckt auch recht gut hier. Bis auf dieses Bröselzeug – Legemehl heißt das, hab ich mitgekriegt. Da halten wir uns ein bisschen zurück, aber der Weizen und der Mais schmecken gut. Zur Belohnung, weil sie uns hier so gut versorgen, haben wir nach unserer wohlverdienten Umzugspause von einer Woche dann gleich voll losgelegt. Jeden Tag drei Eier! Mann, die haben geguckt, richtig lustig war das, hihi. Die Martina hat schon gar nicht mehr gewusst, wohin damit. Aber nicht so schlimm, musste sie halt ein bisschen mehr Kuchen backen.


Was wir auch ganz gut hingekriegt haben, war das Thema mit den Nestern. Am Anfang haben sie uns ja echt nur ein einziges hingestellt. Sowas. Das war zwar superkuschlig (‘Katzenklo’ sagt die Martina immer, muss wohl ne neue Hühnernestmarke sein), aber ein einziges Nest für uns drei?? Nee, das ging ja gar nicht. Wisst ihr, was wir dann gemacht haben? Voll den Terror! Wir haben uns gegenseitig aus dem Nest vertrieben (natürlich immer so, dass die Martina das auch mitkriegt), und nach ein paar Tagen hat sie’s dann auch schon verstanden und uns ein zweites Nest reingestellt. Wir haben dann noch probiert, ob sie uns auch noch ein drittes gibt – hat sie, aber das war dann nur so ein Bastelteil, das wollten wir dann doch nicht. Aber mit den beiden passt’s jetzt ganz gut.


Nach ein paar Wochen hatten wir dann unseren ersten richtigen Schreck hier: die Alex hatte sich wehgetan, am Fuß hat sie geblutet. Als die Martina das gesehen hat, ist sie voll in Panik verfallen und hat gleich in ihrem Hühnerbuch (sowas gibt’s, echt!) nachgeschaut. Dann hatte sie aber noch mehr Panik, weil da irgendwas von sofort separieren und Kannibalismusgefahr drinstand. Dumme Bücherschreiber. Ich mein, es kommt ja schon mal vor, dass ein Huhn ein anderes, das blutet, mal anpickt, aber umbringen tun wir uns da doch nicht. Naja, meistens wenigstens nicht. Wie auch immer, jedenfalls war’s da schon Abend und die Martina hat gemeint, separieren is nicht und heute macht sie das sowieso nicht mehr und im Dunkeln würden wir ja eh nix sehen. Ganz schön frech, aber leider hat sie da recht. Dann hat sie noch unseren Züchter angerufen und wurde da auch noch beruhigt, dass sowas am nächsten Tag oft schon vorbei ist. Und so war’s dann auch, am nächsten Tag war das Blut schon getrocknet, dann interessiert uns das ja eh nicht mehr. Wie die Alex das gemacht hat, sich den Fuß blutig zu reißen, weiß keiner, wahrscheinlich ist sie nur irgendwo hängengeblieben. Na, jedenfalls war das dann auch bald wieder gut. Und bei der nächsten Kleinigkeit kriegt die Martina hoffentlich nicht gleich wieder die Panik. So ein Stress aber auch.


An Pfingsten war dann so eine Affenhitze hier, dass schon die ersten Frotzeleien von wegen ‘Brathühnchen’ aufkamen. Nachdem sie uns aber doch nicht braten wollten, haben sie die Lüftung von unserem Stall fertiggebaut. Und am Tag die Türe offengelassen. Und als das immer noch nicht reichte, hat die Martina ein altes Bettlaken von ihrer Mama geholt und uns das über den Stall gelegt. Das hat’s gebracht, jetzt war es hier auch endlich wieder auszuhalten. Ich hoff nur, dass sie nicht doch mal vergessen, die Tür in der Nacht auch wieder zuzumachen. Ein Hühnerstall mit offener Tür ist ja wohl keine so gute Idee.


Aber was ich ja eigentlich erzählen wollte: vor ein paar Wochen ist die Vicky plötzlich ganz seltsam geworden. Auf einmal wollte sie nur noch in ihrem Nest sitzen und sonst nichts tun. Die Martina hat schon gemeint, sie wäre krank, hat ihr Kamillentee gebracht (den die Vicky natürlich nicht wollte) – aber die Vicky ist nicht krank, nein. Die gluckt! Eigentlich heißt’s ja immer, dass wir Sundheimer nicht brüten, aber Ausnahmen bestätigen schließlich die Regel. Na eben. Als es die Martina dann endlich kapiert hatte, hat sie irgendwie gemeint, dass die Vicky das dann heuer halt mal für ein paar Wochen ausprobieren soll, und wenn sie zuverlässig sitzt und das nächstes Jahr wieder machen will, dann würde sie vielleicht Bruteier besorgen. So ganz verstanden hab ich das ja ehrlich gesagt nicht, weil die Vicky sitzt doch auf ein paar Eiern. Die Martina hat was von ‘sind doch nur Gipseier’ gesagt, aber Ei ist doch Ei, oder hab ich da was falsch verstanden? Na, wir werden ja sehen, ob da Küken rauskommen oder nicht. So viel Ahnung hat die Martina jetzt auch wieder nicht von uns Hühnern.


Der Hammer war dann aber, als die Alex auch noch angefangen hat mit dem Schmarrn! Jetzt sitzen also die beiden Tucken da in ihren Nestern und lassen mich den lieben langen Tag allein rumlaufen. Einmal am Tag, das ist voll lustig, da nimmt die Martina (oder auch mal die Oma) die Nester von den beiden und stellt sie raus. Dann bequemen sie sich doch auch mal, rauszukommen und wenigstens mal ne Stunde mit mir rumzulaufen, aber dann sind sie auch gleich wieder drin. Und deshalb: mir ist soooo laaangweilig ….


Fies ist jetzt natürlich, dass ich – die einzige, die hier noch Eier legt – jetzt kein Nest mehr habe! Die Martina hat uns zwar noch ein drittes Nest reingestellt (‘Katzentragekorb’ hat sie gesagt), aber das gefällt mir nicht. Aber egal, setz ich mich halt zur Alex rein. Ziemlich kuschlig, aber einmal am Tag geht das schon. Und ewig werden die beiden ja hoffentlich nicht mehr sitzen. Schön langsam wär’s schon Zeit, dass sie aufhören, Vicky ist schon ganz blass um die Nase – äh, um den Kamm.


Also, das war’s dann auch für heute, ich geh jetzt – allein – auf meine Stange und schlaf ne Runde. Gute Nacht!


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Letzte Aktualisierung am 01.05.2015